9 Ideen zur ökologischen Ausrichtung der Bramberger Gemeindepolitik

Die Gemeinderatswahlen stehen vor der Tür und zumindest einige politische Parteien sind wahrhaft bemüht sich ein Programm für die nächste Legislaturperiode zu überlegen. Die Bürgerliste hat ein ganz tolle Programm zusammengestellt und bemüht sich wahrlich viel Schwung in das Dorfleben zu bringen. Andere Parteien (SPÖ und ÖVP) haben ihr Wahlprogramm nicht so klar kommuniziert, aber ich bin mir sicher, dass alle möglichen Kandidaten für Bramberg sich das eine oder andere überlegt haben.

Viel Expertise gibt es im Bramberg zu Tourismus, der Bauwirtschaft, Landwirtschaft, Handel und ähnlichem. Da ich mich in den letzten Jahren viel damit befasst habe, wie wir jetzt leben müssen damit auch unsere Enkel noch ähnliche oder gleiche Voraussetzungen haben, wie wir es jetzt haben, möchte ich mit diesem Artikel parteiunabhängig ein paar Ideen für die zukünftigen lokalen Entscheidungsträger zusammenfassen, welche die Bramberger Gemeindepolitik auf einen enkeltaugliche Pfad schicken würde … die gute Nachricht vorab: vieles davon kostet nichts und alles davon sehr viel weniger als verschiedene Bauprojekte der vergangenen Jahre.

Kurzes Vorgeplänkel: Globale Zusammenhänge verstehen, lokale Lösungen suchen

Mit freundlicher Genehmigung durch die Bundeszentrale Politische Bildung

Eines, was Österreich eigentlich recht gut kann, ist auf die lokale Umwelt Acht geben. Wir haben gute Gesetzt die Wasser und die Umwelt schützen und vor allem mit dem Nationalpark Hohe Tauern auch ein einmaliges Naturschutzgebiet direkt vor der Haustür. Auch außerhalb des Nationalparks sieht es oberflächlich ganz ordentlich aus. Verbessern können wir uns einerseits darin der Natur auch außerhalb des Nationalparks einen höheren Stellenwert einzuräumen und andererseits darin, unser Bewusstsein dafür zu schärfen, wie unsere Tun sich auf die ökologische Integrität anderswo auswirkt.

Schwedische Wissenschaftler haben vor rund 10 Jahren das Konzept der planetaren Grenzen erarbeitet. Also sie haben sich angesehen, in welchen Bereichen wir global gesehen schon an Leistungsgrenzen gestoßen sind, wo wir aufpassen müssen, weil wir bald irreversible Schäden anrichten und wo wir uns im grünen Bereich bewegen. Raus kam, dass der Klimawandel ein potentielles Problem darstellt. Eine viel massiveres und akuteres Problem in dem wir schon mitten drin stecken ist jedoch der Erhalt der Artenvielfalt (bei uns etwa der vielen Wildbienen, Insekten oder eine ausgewogenen Flora und Fauna) einerseits und der Stickstoffkreisläufe andererseits

Es ist eine wahre Errungenschaft für uns im Oberpinzgau, dass wir dank des modernen Handelsnetzwerk nicht mehr nur von dem abhängig sind, was wir lokal produzieren, sondern wir auf Rohstoffe und Nahrungsmittel von außerhalb der Region zurückgreifen können. Mit dieser Errungenschaft kommt aber auch die Verantwortung für die ökologische Integrität der Lebensräume an den Orten, wo diese Produkte herkommen.

Ökologische Politik des 21. Jahrhunderts soll zuerst vor der eigenen Haustüre kehren, aber eben auch der globalen Vernetzung Rechnung tragen. Gemeinsam Lösungen für diese globalen Herausforderungen zu finden und diese lokal im Kleinen umzusetzen, sollte auf der täglichen Agenda eines jeden Entscheidungsträgers stehen und damit hoffentlich auch bei den (zukünftigen) Bürgermeistern und Gemeinderäten Brambergs.

Hier nun zu den konkreten Vorschlägen, welche ich basierend auf dem letzten Stand der Forschung zusammengefasst habe:

#1: Umstellung des Lebensmittelbezuges aller Gemeindebetriebe auf Bioprodukte

Konventionelle Landwirtschaft ist schlecht für die Böden, unsere Gesundheit, die Artenvielfalt, das Wasser und vieles mehr … so jetzt ist es raus. Auch wenn es immer noch nicht stammtischfähig ist, gibt es doch erdrückend viele Anzeichen und mehr und mehr Studien, Artikel etc. die klar zeigen: wir müssen umdenken (dieser Artikel gibt eine gute Zusammenfassung über das Thema und auch die Stadt Wien hat das schon aufgenommen:). Jede Gemeinde kauft jährlich eine Unzahl an Lebensmitteln und Getränken ein. Biobauernhöfe in Bramberg gibt es einige, mit denen könnte man schon mal anfangen. Was nicht in der Gemeinde produziert wird könnte man über die Nationalparkgärnterei in Stuhlfelden, die Coop Pingzau oder den Stechaubauern zukaufen oder dem Bäckerfritz eine Abnahmegarantie für Brötchen aus Bio-Qualität geben, dann bin ich mir sicher, würde er die auch für uns backen …

#2: Verzicht von Pestiziden, Düngemittel und anderen nicht nachhaltigen Methoden der Gründlandpflege

Vieles wurde ja schon zuvor gesagt. Auch wenn ich nicht genau weiß, wie es die Gemeinde Bramberg mit dem Einsatz von verschiedenen Mitteln hält, würde ich das doch noch mal genauer unter die Lupe nehmen. Wenn diese bis jetzt zum Einsatz kamen, würde ich vorschlagen: weg damit. Für das eingesparte Budget findet sich sicher eine enkeltauglichere Verwendung (etwa die Investition in Bio-Produkte wie in Punkt 1 beschrieben). Wenn ohnehin nichts zum Einsatz kommt, würde ich dringend vorschlagen, dass mehr publik zu machen. Posaunt es raus so dass andere sich ein Vorbild nehmen.

#3: Gemeindegrünflächen mit Nahrungsmitteln bewirtschaften

 

Viele Städte haben schon vorgezeigt, dass es wunderbar geht: Grünflächen zum Anbau von typisch lokalem Obst und Gemüse zu verwenden. Das bring mehr verschiedene Pflanzen, damit eine höhere Biodiversität, mehr Bewusstsein für den Ursprung von Essen, könnte man als Touristenattraktion auch verkaufen und darüber hinaus können die Schulkindern am Weg nach Hause ein bisschen naschen (naja, zumindest die, die noch zu Fuß gehen 😉 ). Es gibt viele tolle Gründe ein solches Projekt voranzutreiben …

#4: KEINE Erhöhung der Mähprämie auf steilen Hängen – statt dessen Anreize für mehr Diversität und Bio

… statt dessen den Budgetierten betrag für Permakulturtrainings (z.B. vom international anerkannten Pongauer Sepp Holzer) für die lokalen Landwirte ausgeben. Im Zusammenhang mit dem oben genannten Artensterben ist ein Teil der Bedrohung auch der immer mehr verschwindende Lebensraum für Insekten. Mein Verständnis: Mehr kleinere Flächen die nicht oder weniger gemäht werden, schlagen sich in einer höhren Diversitäten an Blumen und Blüten nieder was wiederum zu einer größeren Vielfalt an Insekten beiträgt. Vielleicht könnte man ja mal eine Ausstellung oder einen Vortrag der Organisation Ordentlich Schlampert bei uns organisieren und eine Diskussion dazu starten?

Um die soziale prekäre Lage der Bauern dennoch zu verbessern könnte man mit dem dafür geplanten Betrag Anreize zur Umstellung auf biologische und vielfältigere Landwirtschaft schaffen. In Kombination mit #1 könnte man den Bauern eine Abnahmegarantie für eine gewisse Menge Obst oder Gemüse geben, damit sie langfristig planen können. Wo wir grad dabei sind: seit 2016 gibt’s bis zu € 10 000 Fördersumme für Investitionen in Obst und Gartenbau. Oder … mal ganz verrückt gesponnen: man könnte die lokalen Landwirtstatt auch motivieren bei #3 mitzuarbeiten und ihnen dafür Prämien zahlen …naja, das ist wahrscheinlich doch ein Stück zu unkonventionell 😉

#5: Verzicht auf Salzstreuen im Dorf

Laut Auskunft der Gemeinde wird auch im gesamten Dorfgebiete eine Mischung von Split und Salz eingesetzt. Salz hat (auch in kleinen Mengen) langfristige negative Auswirkungen auf die angrenzenden Grünflächen. DIese Veränderung geht schleichend und hält lange an, da sich die Mengen an Salz über die Jahre akkumulieren. Abgesehen davon, dass die Natur selbst ein Recht auf Unversehrtheit haben, trifft es auch alle Bramberger. Nicht nur alle Schwammerlsucher, Beerensammler, Hobbygärtner und Landwirte sind davon betroffen sondern auch die Touristiker, die die Intaktheit der Natur benötigen und Eltern, die ihren Enkelkindern einen Bramberg unversehrt hinterlassen wollen. Ich würde gerne wieder eine Wegwarte neben der Straße stehen sehen und fände es darüber hinaus schön, wenn man wieder mit dem Boka zum Spar einkaufen gehen kann im Winter.

#6: Mit grünem Strom betriebene E-Tankstellen

Themenwechsel: Neben der Ernährung ist ein wichtiger Bereich unseres ökologischen Fußabdruckes die Mobilität. Die Regionalregion Pinzgau hat mit seinem EMO Projekt schon mal einen wichtigen ersten Schritt getan. Ein Ausbau des E-Auto-Ladenetzwerkes wäre aber wichtig um die Emobilität noch weiter voranzutreiben. Ladestationen von Partner wie etwa Smatrics um nur einen zu nennen, finanzieren sich mit der Zeit selber und würden zu dem die Attraktivität von Bramberg als Tourismusstandort erhöhen.

PS: nach dem wir zuvor so viel über Landwirtschaft geredet haben: Es gibt ihn übrigens schon: den 400 PS starken elektrischen Traktor: sogar ganz ohne die kritischen Lithium Ionen Batterien.

#7: Anreize schaffen, dass mehr Gäste mit den öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen

Die globale Zielgruppe der umweltbewussten Touristen steigt. Gemeinsam mit dem Tourismusverband könnte man weitere Maßnahmen setzten, die Wege derer nach Bramberg zu leiten. Shuttleservice von/zum Bahnhof Kitzbühel, Verfügbarkeit Leih und Mietautos im Dorf, Investition in einen lokale Transportmittel statt mehr und mehr Parkplätze, Erlass der Kurtaxe, etc.

#8: E-Mobilität in der Gemeinde

Natürlich funktionieren die E-Mobilitätsanreize am ehesten, wenn die Gemeinde selber mit Vorbild voran geht. Investitionen in neue Autos, Lieferwagen o.ä. könnten ebenfalls im Bereich e-mobilität geplant werden. Vielleicht finden wir ja auch eine Abwandlung des Traktors, der sich für die Pflege des Fußballfeldes eignet.

#9: den Prozess für einen Gemeinde-Gemeinwohlbilanz anstoßen

Die sieben oben genannten Beispiele sind als eine erste Ideensammlung zu verstehen. Bestimmt gibt es noch viele andere großartige Ideen und Abwandlungen der genannten Vorschläge. Es gibt unterschiedliche Methoden und Wege wie man noch viel bessere Ideen generieren kann, die alle die globale Problematik ernst nehmen und lokale Lösungen finden. So hat etwas die Transition Bewegung auch einen Österreichischen Hub oder aber bietet die Gemeinwohlökonomie eine Gemeinwohlbilanzierung für Gemeinden an. Da viele der Gemeindevertreter in einem anderen Bereich berufstätig sind, die Komplexität unserer globalen Probleme, aber im Jahr 2019 informierte Entscheidungen braucht, bietet sich ein von Experten moderierter Prozess an, um sich effizient sinnvollen Lösungen anzunähern.

 

Soweit mal ein paar Ideen, von meiner Seite. Ich hoffe, dass diese bei den politischen Entscheidungsträgern der Gemeinde ein Ohr finden. Es ist Zeit, Dinge radikal anders zu machen, wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern eine gute Zukunft hinterlassen wollen. Deshalb bedanke ich mich im Namen meiner 14 Monate alten Tochter für’s Lesen und ins Betracht ziehen und hoffentlich auch für’s Umsetzen der oben genannten Lösungen. Wenn nicht von allen, so wünsche ich mir doch, dass vor allem #9 ernstgenommen wird und noch im Jahr 2019 ein Prozess des Umdenken startet.

Ich wünsche allen Kandidaten viel Erfolg bei den Wahlen. Mögen die ökologisch Engagiertesten gewinnen.