Willkommen

auf meiner Seite Monon e.U. Mein Name ist Inge Patsch und ich arbeite als Social Entrepreneur, Trainer und Berater mit einem Schwerpunkt auf den Themen nachhaltiges Unternehmertum, interkulturelle Zusammenarbeit, informelle Bildung und an der Entwicklung nachhaltige Software, die positive Veränderungen für unsere globale Gesellschaft bringen soll.

Auf einer operativen Ebene arbeite ich dabei in erster Linie mit  (neu entstehenden) nachhaltigen Organisationen und Menschen, die mehr über Nachhaltigkeit lernen möchten.

Auf einer strukturellen Ebene helfe ich Projekten und Organisationen nachhaltige, sozial faire und umweltverträgliche Strukturen zu etablieren, meist mit einem Schwerpunkt auf Softwarelösungen. Die Software und die Prozesse zeichnen sich dabei dadurch aus, dass sie nutzerfreundliche und pragmatisch auf der einen Seite sind und auf der anderen Seite harmonisches und umweltfreundliches Zusammenleben fördern.

Auf der reflektiven Ebene bin ich stehts bemüht, das Gesehene und Erfahrene noch einmal bewusst Revue passieren zu lassen und in Form von Vorträgen, Erfahrungsberichten und wissenschafltlichen Arbeiten bei Konferenzen, Vortragsreihen oder auf Universitäten vorzustellen und zu diskutieren.

neueste Blogeinträge

  • 23 Mär

    Radha Paudel kommt nach Europa

     

    Radha mir ihrem in Nepal preisegekrönten Buch in Englisch und Deutsch

    Radha mir ihrem in Nepal preisegekrönten Buch in Englisch und Deutsch

    Es ist mir eine große Freude den Besuch meiner Freundin Radha Paudel in Europa anzukündigen. Radha hat ihr Leben ihrer Arbeit als Autorin und Aktivistin gewidmet und kämpft gegen gesellschaftliche Stigmatisierung und für eine gerechte Inklusion aller am gesellschaftlichen Leben. Ihr Buch, in dem sie ihre Erlebnisse der Attacke auf Khalanga und deren politische Zusammenhänge beschreibt wird voraussichtlich im Herbst 2018 auf Deutsch erscheinen.

    Radha’s Aktivitäten hier beginnen diese Woche mit der Teilnahme an der Generalversammlung der Reproductive Health Supply Coalition (Koalition der Versorgung im Bereich reproduktiver Gesundheit) in Brüssel. Die Radha Paudel Foundation hat verschiedenste Projekte die sich mit lokaler Produktion von Stoffbinden initiert und wird sich bei dem Treffen mit Gleichgesinnten aus anderen Ländern austauschen.

    Am 12. April um 19:00 Uhr hält Radha dann am Afro Asiatischen Institut Salzburg einen Vortrag mit dem Titel „das monatliche Exil der Frauen“ . Sie erzählt dabei von einer Tradition in Nepal, nach der menstruierende Frauen sozial ausgeschlossen werden. Es ist ihnen verboten, dass Haus zu betreten oder den Brunnen zu benützen, weil sie als unrein betrachtet werden. Die anschließende Diskussion bietet Möglichkeit sich direkt mit Radha auszutauschen.

    Gleich weiter geht es dann am 13. April, wenn wir im Daniel Etter Saal in Bramberg um 19:30 Uhr den Film Homebird (in Deutsch) presentieren. In dem preisgekrönten Erstlingswerk der Tiroler Direktorin Andrea Leichtfried werden fünf Persönlichkeiten und mit ihnen fünf Facetten der nepalesischen Kultur in eindrucksvollen Bildern gezeigt. Radha Paudel und Saroj Bastola sind zwei der Protagonisten in dem Film und sind gemeinsam mit Andrea Leichtfried im Anschluss zu einer Diskussionsrunde geladen.

    Von Bramberg aus geht es dann weit in den hohen Norden Deutschlands wo eine Vortragsreihe mit dem autonomen feminisitischen Referat Bremen und einige weiteren feministischen Gruppen im Norden Deutschlands.

    Zurück in Österreich hält Radha dann am 21. April einen Gastvortrag an der Fachhochschule Puch-Urstein zum Thema Sozialarbeit in Nepal. In zwei Sessions haben die Studenten des Bereichs soziale Arbeit die Möglichkeit sich mit Radha über ihre Erfahrungen auszutauschen.

    Von Salzburg aus geht es weiter nach Wien, wo gleich vier verschiedenen PRogramme anstehen. Am 23. April hält Radha einen Gastvortrag am Institut für Südasien-, Tibet- und Buddhismuskunde der Universität Wien zu Chaupadi und ihrer Arbeit in Nepal. Am Dienstag den 24. April gibt es im Rahmen einer Buchpräsentation einen kleinen Vorgeschmack auf die deutsche Fassung Radhas preisgekrönten Buchs Khalangama Hamala, welches im Herbst 2018 auf deutsch erscheinen wird.

    Am Mittwoch dem 25. April wird Radha dann gegen Mittag mit den Schülern der Vienna International School ein Interaktionsprogramm haben in dem sie ihr Schaffen vorstellt. Den momentanen Abschluss ihrer Reise bildet um 18:30 eine Diskussionsrunde zum Thema Women in Emergencies  im Centrum für Internationale Entwicklung, Alois Wagner-Saal organisiert von der Frauensolidarität Wien, der Volkshilfe und dem WIDE-Netzwerk . 

    Die Monon e.U. übernimmt die gesamte Logistik für den Aufenthalt von Radha in Europa und ich werde sie soweit wie möglich zu ihren Treffen begleiten. In den Zeiten zwischen den Programmen werden wir gemeinsam an der Weiterentwicklung der Aktivitäten der Radha Paudel Foundation und der Publikation der deutschen Version von Khalangamaa Hamala arbeiten.

    Falls auch du Radha gerne für einen Vortrag bei euch einladen möchtest, melde dich bitte einfach bei mir. WIr freuen uns auf dein Email oder deinen Anruf.

  • 20 Mär

    Die zwei Denkschulen in Social Business

    Social Business ist – wie viele andere Konzepte – ein Begriff, der sich mit dem Kontext in dem er verwendet wird und dem Weltverständnis der Person die ihn gebraucht, graduell verändert. Mir ist das das erste Mal aufgefallen, als ich mich in meiner Zeit bei Nepal Social Business mit einem amerikanischen Investmentbanker von der Wallstreet unterhielt. Dieser erklärte mir mit felsenfester Überzeugung, dass das, was wir in Jumla machten zwar schön und gut wäre, aber eigentlich kein richtiges Geschäft (business). Die Lösung zu unseren sozialen Problemen könne nur von großen Konzernen und skalierbaren Geschäftsmodellen kommen. Nur durch diese könne eine Ökonomie wachsen und gedeihen.

    Umso mehr Gespräche ich mit Experten aus „dem gleichen Feld“ führte, umso mehr kristallisierte sich eine gewisses Muster heraus. Während ich mich mit einigen sofort verbunden fühlte und eine gemeinsame Sprache hatte, gab es auch immer wieder Gesprächspartner, bei denen ich das Gefühl hatte wir redeten aneinander vorbei, obwohl wir beide von Social Business gesprochen haben. Ähnlich ging es mir bei der Lektüre von Büchern: Während die einen eine Quelle tiefer Inspiration waren, gaben mir andere das Gefühl ständig nur an der Oberfläche zu kratzen und etwas Wesentliches zu übersehen (wobei ich das nie benennen konnte).

    Dieser Widerspruch ein Vertreter von Social Business zu sein, während mich gleichzeitig einige der populären Bucher und Reden mit tiefer Skepsis erfüllten, war ein Rätsel, das ich einige Jahre lang mit mir herumtrug, aber dann auch in Anbetracht anderer Dinge über die Zeit auch wieder vergaß.

    Ein Interview mit Rainer Mausfeld zum Thema Neo-Liberalismus, hat die Frage wieder zu Tage gefördert und mich zu einer Antwort inspiriert: Im Dunstkreis der Social Business Vertreter gibt es zwei verschiedene Denkschulen:

    Die erste Schule möchte ich die neo-liberale Schule nennen. Autoren dieser Denkweise vertreten die Meinung, dass die Lösung zu (all) unseren Problemen darin liegt, alle zwischenmenschlichen Aktivitäten über ein Geschäftsmodell zu lösen und dass – wenn wir nur lange genug daran arbeiten – sich für jedes Problem ein Geschäftsmodell finden lässt. Für sie können kommerzielle Organisationen (im Vergleich zu Aktivitäten der Gemeinschaft, gemeinnützigen Vereinen oder dem Staat) sich nicht nur um die Verteilung von Gütern und Dienstleistungen sondern auch um die Verteilung von Sozialleistungen kümmern. Diese Sichtweise ist tief in einem neo-liberalen Weltbild verankert und  verwendet entsprechende Fachbegriffe wie Skalierung von Einfluss, Fremdfinanzierung (leverage) und andere Investmentbankerterminologie. Die Idee, dass Wachstum essentiell für den Wohlstand einer Gesellschaft ist (auch wenn es keine empirischen Hinweise darauf gibt), ist sowohl zentrales Element wie auch unhinterfragte Grundannahme in dieser Richtung. Zu Vertretern dieser Denkschule gehören u.a. Micheal Porter mit seinem Konzept des shared value (dt. geteilter Wert) aber auch Nobelpreiseträger Professor Mohammed Yunus, welcher den Begriff Social Business geprägt hat und auch für mich persönlich der inspirierende Impuls war, mich näher mit Social Business zu beschäftigen.

    http://steph-mcmillan.tumblr.com/post/40679619079/infinite-growthDieser ersten Schule gegenüber steht eine zweite Denkschule, welche ich die transformative Schule nennen möchte.  Vertreter dieser Sektion sprechen sich dafür aus, dass unser gesamtes Wirtschaftssystem überdacht gehört und sich die Beziehung zwischen (sozialen) Unternehmen, die Güter und Dienstleistungen produzieren, auf der einen Seite und der Umwelt und den Menschen auf der anderen Seite grundlegend ändern muss. Schlüsselwörter die dabei von dieser Gruppe immer wieder verwendet werden sind Transformation, human centered design (auf den Menschen fokussiertes Design). Darüber hinaus haben Vertreter dieser Richtung eine gesunde Skepsis gegenüber Wachstum gemein. Zu den bekannteren Verfechtern dieses Ansatzes gehören Autoren wie Rob Hopkins vom Transition Network, Christian Felber von der Gemeinwohlökonomie oder der chilenische Ökonom Manfred Max-Neef.

    Ich ordne mich selber mit voller Hingabe der zweiten Gruppe zu. Nicht nur, weil mich die Konzepte der oben genannten Autoren inspirieren sondern auch durch Bücher, wie Poor Economics, die die Wirkung von Social Business empirisch geprüft haben. Ihr Fazit: bei gewissen Problemen in der Entwicklungshilfe kann ein Geschäftsmodell hilfreich sein, bei wieder anderen aber ist es besser der Staat oder die internationale Gemeinschaft greift ein oder man stärkt das Gemeinwesen. Dieser Gedanke wird auch von Vordenkern wie Amartya Sen, welcher den Alfred-Nobel Gedächtnispreis in Wirtschaftswissenschaften trägt und eine Ökonomie für den Menschen bewirbt. Seine These: die ökonomischen Fähigkeiten (capabilities) alleine reichen nicht aus um das Wohlbefinden einer Person zu verbessern. Es braucht Verbesserung und (qualitatives) Wachstum in vielen anderen Ebenen. Zu meiner Wachstumsskepsis und meinen kritischen Blick auf das Finanzsystem haben Wirtschaftsökonomen wie Bernd Senf beigetragen, welche klar zeigen wie sehr unser momentanes Finanzsystem zu globaler und lokaler Ungleichheit und daraus entstehenden sozialen Problemen beiträgt. Am überzeugendsten jedoch fand ich das simple Argument aus den Naturwissenschaften: Es gibt nicht genug Ressourcen für ewiges Wachstum. Nachdem es kein wirtschaftliches Wachstum ohne einen wachsenden Ressourcenverbrauch geben kann und wir den Weltüberlastungstag bereits jetzt schon Anfang August haben, kann Wachstum nicht die Lösung sein. John C. Ayers  hat sich äußerst ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und das Buch Sustainability: an evironmental perspective publiziert, welches für mich zur Pflichtlektüre für alle gehört, die behaupten nachhaltig zu handeln.

    Sich diese zwei Schulen bewusst zu machen, hilft nicht nur, wenn man Missverständnisse vermeiden möchte. Es ist für mich auch Teil der Lösung. Denn auch wenn für mich die meisten Ansätze der neo-liberalen Vertreter nicht weit genug gehen, sehe ich doch die wichtige Rolle die sie dabei spielen, die Aufmerksamkeit einer breiteren Masse auf die sozialen und ökologischen Probleme unserer Zeit zu lenken. Vorreiter der transformativen Schule, auch wenn sie sich auf Fakten berufen, sprechen leider oft nicht die Sprache derer, die sie erreichen möchte und werden dadurch oftmals von Journalisten sowie hochrangingen Vertretern der Politik und Ökonomie (zu unrecht) diffamiert. Die neoliberale Schule jedoch spricht noch die Sprache, die jene Ökonomen in der Schule gelernt habe und passt in deren Weltbild, so dass eine Lektüre von Mohammed Yunus zumindest mal die Augen öffnet dafür, dass nicht alle vom momentanen System profitieren. Mit etwas Glück gibt es ja auch noch andere, die danach nicht aufhören zu lesen und anfangen nachzudenken, wie es mit dem bestehenden System tatsächlich weiter gehen kann und dabei hoffentlich zu der Einsicht kommen, dass der eine oder andere Ansatz aus der transformativen Schule doch nicht so unberechtigt ist.

     

     

  • 26 Feb

    Forschungshandbuch „Soziale Verantwortung von Kleinstunternehmern“ erschienen

    Forschungshandbuch zu sozialer Verantwortung von Kleinstunternehmern

    Es ist mir eine große Freude darüber zu berichten, dass am 26. Jänner 2018 das Forschungshandbuch soziale Verantwortung von Kleinstunternehmern erschienen ist, in welchem ich die Gelegenheit hatte, einen Artikel zu publizieren. Ich habe die Herausgeber im Frühjahr 2015 kennen gelernt und hatte die Gelegenheit meine Erfahrungen in Nepal bei einem Vortrag in London näher zu erläutern. Aus diesem Vortrag heraus ist der aktuelle Artikel entstanden.

    Insgesamt 19 Kapitel beschäftigen sich u.a. mit dem Kontext in dem klein- und mittelständische Unternehmen (KMUs) weltweit agieren, wie KMUs in die globalen Lieferketten eingebunden sind und deren finanzielle und soziale Verantwortung. Abgerundet wird der Band mit eine Vielzahl von Fallstudien zu dem Thema.

    Eine dieser Fallstudien beschreibt die Pilotphase unsere Förderstelle für soziale Jungunternehme in Jumla (NEPAL) während meiner Arbeit bei Nepal Social Business. Nachfolgend die Zusammenfassung des Artikels.

    Es ist unwahrscheinlich, dass ohne eine fördernde Infrastruktur Social Businesses (soziale Unternehmen) entstehen. Nepal Social Business ist die erste Förderstelle für (soziale) Jungunternehmer, die in der entlegenen Region Jumla tätig wurde. Zu Beginn wurden vier verschiedene Gründungsideen ausgewählt und von April 2014 bis Dezember 2015 mit Training und Beratung bei der Planung und den ersten Schritten unterstützt. Drei dieser Projekte haben sich direkt oder indirekt mit Mangelernährung beschäftigt, welches zu den drängendsten Problemen der Region gehört. Für Jungunternehmerförderung, die in Gegenden mit mangelnder Infrastruktur und mit Teilnehmern ohne kaufmännische Bildung oder Erfahrung durchgeführt wird, benötigt man in einem wesentlich höheren Maße persönliche Betreuung und damit auch einen höheren Einsatz von Ressourcen,  als wenn man mit Jungunternehmern in einem mehr entwickeltem Umfeld arbeitet.

    Der ganze Artikel kann auf ElgarOnline erworben werden.

  • 24 Nov

    Die fünf Social Business Typen

    Social Business Typen

    Während meiner Arbeit mit Start-Ups konnte ich zwei Herangehensweisen an die Entwicklung eines Geschäftsplan für ein Social Business gesehen. Die eine Gruppe macht einen Geschäftsplan nach dem traditionellen Ansatz, also mit einem Fokus auf die wirtschaftlichen Abläufe. Diese Gruppe läuft dabei dann oft Gefahr den eigentlichen gemeinwohlorientierten Zweck der Organisation aus den Augen zu verlieren: Geschäftspläne sind in der Regel gut entwickelt im Bezug auf den Produktionsprozess, die Produkte und die Marketing Strategie. Es fehlt aber of die kritische Auseinandersetzung mit den tiefgreifenden sozialen Auswirkungen. Werden die komplexen Zusammenhänge zwischen Menschen auf die pure ökonomische Transaktion reduziert limitiert das meist das Veränderungspotential, dass ein Social Business mit sich bringt.

    Die andere Gruppe von Gründern setzt sich mit dieser Komplexität schon von Anfang an auseinander. Diese laufen jedoch oft Gefahr von der Komplexität dessen, was getan werden sollte überwältigt zu werden: demokratische Arbeitsplatzgestaltung, Produktionsprozesse in denen alles wiederverwertet und nichts weggeworfen wird (engl: cradle-to-cradle), sozialverträgliche Preisgestaltung, umweltfreundliche Distributionskanäle und vieles mehr. Wenn man versucht all das von Anfang gemeinsam mit einen finanziell stabilen Budget und oftmals limitierten Ressourcen abzudecken, führt das oft zu einem Realtitätschock und einer Demotivation.

    Social Business Typen können nun beiden Typen von Gründern helfen, mit dieser Komplexität in jeder Phase der Gründung umzugehen. Die Kategorisierung hilft dabei sich auf die für das grundlegende soziale Problem wesentlichen Aspekte zu konzentrieren und zeigt die Aspekte auf, in denen eine Social Business von Anfang an brillieren sollte, um den Titel Social Business zu verdienen. Seinen Social Business Type zu kennen hilft zur gleichen Zeit auch die Bereiche zu erkennen in denen ein nachhaltigeres Verhalten zwar wünschenswert aber nicht essentiell ist um die gewünschte Veränderung zu bringen.

    Basierend auf der Theorie der Gemeinwohlökonomie und deren Fokus auf Berührungsgruppen sowie Kim Alter’s Social Enterprise Typology habe ich ein einfach zu verstehendes Gerüst von 5 Social Business Typen geschaffen. Die 5 Social Business Typen definieren sich in erster Linie dadurch, auf welche Zielgruppe sie Bemühungen fokussieren. Ein Social Business zeichnet sich nach vielen Autoren (Yunus, Alter) dadurch aus, dass es in erster Linie missionszentriert ist. In anderen Worten: im Vordergrund steht das Ziel, die Situation einer bestimmten sozialen Gruppen zu verbessern, welche ich im Folgenden Begünstigte nennen möchte. Der primäre Unterschied zwischen den Social Business Typen ist also die Art und Weise wie diese Begünstigten in die Prozesse der Organisation eingebunden werden oder –  in den Worten der Gemeinwohlökonomie – welcher Berührungsgruppe die Begünstigten in dem (zukünftigen) Social Business angehören.

    Typ A – kundenorientiertes Social Business

    Social Business Typ A - Kundenorientiert

    Der erste Type, Typ A kundenorientiertes Social Business fokussiert sich auf eine Zielgruppe, welche die von der Organisation produzierten Produkte oder Dienstleistungen benutzt. in Anspruch nimmt oder in anderer Form konsumiert. Diese Gruppe, welche ich der Einfachheit halber im folgenden Kunden nenne, wird nicht nur direkt durch den Konsum des Produktes beeinflusst, sondern auch indirekt darüber, wann, wo und in welcher Form sie Zugang zu diesen Produkten und Dienstleistungen haben, wie diese ggf. verpackt sind und ob die Verpackung wieder zurückgegeben werden kann, ob dieses Produkt fundamentale Bedürfnisse befriedigt und in wie fern der Konsum dessen, einen nachhaltigen und gesunden Lebensstil fördert.

    Der Fokus liegt auf der Gerechtigkeit bzw. den Personen, also auf dem sozialen Aspekt, der eine intakte Umwelt benötigt und wiederum Grundlage für ökonomische Nachhaltigkeit ist.

    Zusammengefasst: in einem kundenorientierten Social Business ist das Ziel, dass man durch die Zurverfügungstellung von Produkten oder Dienstleistungen einen positiven Einfluss auf die Lebenssituation der Kunden (oder dessen Familienangehörigen im Falle von Kindern etwa) hat oder deren Probleme verringert oder löst. Vor allem im globalen Süden sind in einem solchen Social Business die Kunden oft aus einkommensschwachen Gruppen und Ziel der Organisation ist es, diese Familien bei einer grundlegenden Bedürfnisbefriedigung zu unterstützen. Das Thema Bedürfnisbefriedigung und grundlegende menschliche Bedürfnisse beschreibt Max-Neef mit seinem Ansatz zu den grundlegenden menschlichen Bedürfnissen sehr gut.

    Ein Typ A Social Business bezieht sich dabei auf die soziale Dimension von Nachhaltigkeit macht diese soziale Dimension zum Kernelement ihres Wesens.

    Typ B – mitarbeiterorientierte Social Business

    Der zweite Typ, Typ B mitarbeiterorientiertes Social Business, fokussiert sich auf die Angestellten, Arbeiter und bis zu einem gewissen Grad auch die arbeitenden Gesellschafter oder Genossenschafter einer Organisation. Kurz gesagt, jeder der seinen Lebensunterhalt damit verdient seine Arbeitszeit und Arbeitskraft (nicht das Produkt seiner Arbeit, das wäre dann Typ C) dem entsprechenden Social Business zur Verfügung zu stellen. Die (positiven) Auswirkungen eines Social Business lassen sich dabei nicht auf die finanziellen Transaktionen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer reduzieren sondern konstituieren sich auch über die Gestaltung der Arbeitszeit, der möglichen Einbindung in Entscheidungsprozesse, der Arbeitsplatzsicherheit (im doppelten Bedeutungsinn), durch Ausbildungsmöglichkeiten und vielem mehr.

    Während Typ A Social Businesses die Zielgruppe also über den Verkauf von Produkten an diese erreichen möchte, probiert ein Typ B Social Business deren Lebenslage über deren Anstellung zu verbessern. Dies bedeutet nicht, dass jede Organisation, die jemanden anstellt, automatisch ein Typ B Social Business ist. Um zu argumentieren, dass ein Social Business ein Typ B Social Business ist, sollte man etwa Gruppen einstellen, die ansonsten schwer eine Anstellung finden würden oder die Mitarbeiter in einem weit über dem sektoralen Standard liegender Weise in Entscheidungsprozesse sowie Gewinnverteilung einbinden. Oft wenn wir von ersterem Ansatz ausgehen, muss man davon ausgehen, dass man die Geschäftsprozesse entsprechend auf die Anforderungen der Arbeitnehmer anpassen muss, wie etwa spezielle Trainings einzuplanen (im Falle von unterqualifizierten Arbeitskräften) oder Arbeitszeiten oder den Arbeitsplatz auf deren Bedürfnisse anpassen muss (z.B. wenn man sich auf etwa alleinerziehende Frauen oder sehbehinderte Menschen einbindet).

    Ein Typ B Social Business bezieht sich dabei wie Type A auf die soziale Dimension von Nachhaltigkeit.

    Typ C – lieferantenorientiertes Social Business

    graphic_intermediary_model_enDieser dritten Gruppe von Social Businesses gehören all die Organisationen an, deren Fokus auf der Verbesserung der Lage der Lieferanten von Rohmaterialien, Produkten oder Dienstleistungen liegt. Auch hier ist nicht jedes Unternehmen, das Güter oder Dienstleistungen von Lieferanten bezieht, automatisch ein Typ C Social Business. Ähnlich wie beim mitarbeiterorientierten Social Business zeichnet sich ein solches Social Business dadurch aus, dass es mit gefährdeten oder nicht so starken Zielgruppen arbeitet, also Kleinbauern oder anderen Kleinbetrieben, die auf Grund ihrer Größe oftmals nicht so wettbewerbsfähig und damit gefährdet sind, von größen Abnehmern ausgebeutet zu werden. Eine Unterkatorie sind Social Businesses die zwar mit größeren Lieferanten arbeiten, welche aber wiederum solche benachteiligte Gruppen anstellen. In beiden Fällen sollte ein Social Business dieses Typs sich durch Standards auszeichnen, welche klar über dem des Sektors liegen und darüber hinaus eine engere Lieferantenbeziehung zeigen als ein normaler Betrieb.

    Die erste Gruppe von Typ C Social Businesses beschäftigt sich vor allem mit der sozialen Situation der Kleinlieferanten (Kleinbauern) und pflegt über bessere Vernetzung, Trainings und ähnliche Maßnahmen mit diesen einen weit über die finanziellen Transaktionen hinausgehenden Kontakt. Meine Erfahrung hat gezeigt, dass diese Kategorie in den wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern des globalen Südens dominiert , wo es viele Kleinstbauern ohne das notwendige kaufmännische Know-How gibt. Die zweite Kategorie, welche man überwiegend in den Industriestaaten findet, sind Produktionsbetriebe, welche es sich zur Aufgabe gemacht haben, handelsübliche Güter sozial und ökologisch nachhaltiger zu produzieren. Bei dieser Kategorie kommt es oft zu einer Mischform zwischen Type C und Typ D Social Business.

    Typ C Social Businesses fokussieren sich auf die soziale sowie die ökologische Dimension von Nachhaltigkeit von den Lieferanten, wobei vor allem bei der ersten Kategorie der Fokus auf soziale Aspekte überwiegt.

    Typ D – ökologisch orientiertes Social Business

    Type_D_environment_enDie vierte Gruppe von Social Businesses lässt sich weniger über eine partikuläre Personengruppe definieren, sondern darüber, dass ökologische Aspekte im Vordergrund liegen und damit alle von einer gesünderen Umwelt bzw. weniger Umweltverschmutzung profitieren.

    Einige Social Businesses dieses Types könnte man damit beschreiben, dass diese an der Basis angesiedelt sind. Deren Ansatz ist es eine höhere Umweltfreundlichkeit dadurch zu erreichen, zurück zum Ursprung zu gehen: Insgesamt weniger und wenn dann vermehrt lokale und saisonale Rohstoffe (lokale produzierte Kekse des Bäckers eher als industriell gefertigt, Repair-Cafés) oder überhaupt gleich neue und nachhaltigere Geschäftsmodelle zu entwickln (wie etwa die Idee von Foodcoops als Alternative zum Supermarktgemüse).

    Wieder andere Typ D Social Businesses setzen bei ihren Lösungen zu höherer Umweltfreundlichkeit auf Technologie. Einige arbeiten daran die Ressourcen mittels Internetplattformen besser zu verteilen und effizienter zu nutzen (z.B. sharing plattformen) während wieder andere neuen Maschinen oder Werkzeuge erfinden, um die oftmals unnachhaltigen Mechanismen der dominanten Wirtschaft zu umgehen (Fairphone oder  Livin Farms).

    Der Fokus liegt auf der Umwelt bzw. dem Planten, welche die Grundlage für Nachhaltigkeit auf anderen Ebenen ist

    Während die anderen vier Typen von Social Businesses sich auf den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit fokussieren (vgl Ayers), fokussiert sich dieser Typus von Social Business in erster Linie auf die Umwelt bzw. den Planeten. Ressourcenschonendere Produktionen, Vermeidung von Abfall und ein Vorantreiben von nachhaltigen Lebensstilen, welche den ökologischen Fußabdruck der Kunden verringern, stehen im Vordergrund bei solchen Organisationen.

    In der Praxis sind viele umweltorientierte Social Businesses oft Mischtypen in denen eine Kundenorientierung (Type A) oder etwa eine Lieferantenorientierung (Typ C) mit den ökologischen Aspekten kombiniert wird.

    Typ E – gemeinwohlorientiertes Social Business (oder subventionsorientierte Social Businesses)

    Type_E_graphic_service_subization_enDiese letzte Gruppe bezieht sich auf Social Businesses, welche die intendierte Zielgruppe nicht in den normalen Geschäftsprozess einbinden können oder wollen, aber sich in einer Notsituation befinden und Zugang zu sozialen Dienstleistungen oder bestimmten Gütern brauchen. Diese Gruppen zeichnen sich oft dadurch aus, dass sie weder über Kaufkraft noch über Arbeitskraft verfügen, mit welcher sie an dem Prokutions- oder Konsumzyklus teilnehmen könnten, wie etwa Kinder oder körperlich stark behinderte Personen.

    Bei einem Type E Social Business wird ein profitabler (aber natürlich sozial verträglicher) Betrieb etabliert (z.B. ein Restaurant) und betrieben. Die monatlichen Profite werden zur Gänze (!) in (Re-)Investitionen in den Betrieb sowie die Querfinanzierung von sozialen Aktivitäten gesteckt. Transparenz und demokratische Strukturen die sicherstellen, dass die Gelder fair eingesetzt werden sind das A und O eines solche gemeinwohlorientierten Social Business. Dieses Geschäftsmodell findet sich vermehrt in den Ländern in denen es keinen Wohlfahrtsstaat oder ähnliche sozialdemokratische Einrichtungen gibt, die solche Aufgaben über Umverteilung von Ressourcen abdecken.