Werdegang Social Business

In den letzten 5 Jahren habe ich vielzählige Workshops, Beratungen und Diskussionen zum Thema Social Busienss und gemeinwohlorientiertem Unternehmertum durchgeführt, gestaltet und entwickelt. Das Publikum war dabei sehr unterschiedlich. Da waren einerseits Aktivisten im ländlichen Nepal ohne jegliche wirtschaftliche Ausbidlung mit der Hauptfrage: wie können wir der Abhängigkeit von Spendengeldern entkommen. Dann habe ich mit jungen Unternehmern aus den eher städtischen Gegenden gearbeitet, welche ihr zweites oder drittes Unternehmen nun von Anfang an gemeinwohlorientierter entwickeln wollten. In wieder einem anderen Workshop war es eine internationale Gruppe europäischer Studenten, welche noch nie zuvor von Social Business gehört hatten. Allen Teilnehmer war jedoch eines gemein: sie waren auf der Suche nach praktischen Tools, die ihnen helfen können ihr negativen Auswirkungen auf ihre Umwelt zu erkennen und mehr und mit ihrem Unternehmen mehr und mehr positive Veränderung zu bringen.

Meeting Prof. Mohammed Yunus in Dhaka in April 2014

Anfangs folgte ich dabei dem Konzept von Social Business, wie Professor Mohammed Yunus es entworfen hat. Er hat nicht nur zahlreiche lesenswerte Bücher zu dem Thema publiziert, sondern es sich unter seiner Leitung auch viele interessante Fallstudien in Bangladesh entstanden. Nichts desto trotz sind die sieben Prinzipien von Professor Yunus mehr eine Art Mission und Vision, welche nützlich ist um nicht das Ziel aus den Augen zu verlieren, aber einem Betrieb oder Jungunternehmer nicht sagt, was er explizit tun kann und was oder was nicht ein Social Business ist.

Während ich für Nepal Social Business auf der Suche war ein Messwerkzeug für die positiven und negativen Auswirkungen eines Betriebes zu finden, bin ich über die Gemeinwohlökonomie gestolpert.  Ein Team von Pionierunternehmern, Beratern und Aktivisten haben rund um die Idee von Christian Felber eine Bilanz zur Messung der sozialen und ökologischen Auswirkungen einer Organisation entwickelt, welche sich auf Ein-Personen-Unternehmen genauso anwenden lässt wie auf eine Universität und mittlerweile in abgewandelter Form auch für Gemeinden existiert. Die Bilanz stellt dabei einige Grundwerte wie Solidarität und Partizipation den verschiedenen Berührungsgruppen (z.b. Lieferanten, Kunden, Mitarbeiter) gegenüber und misst mit 20 positiven und einer Reihe negativer Indikatoren wie sehr (oder wenig) eine Organisation zum Wohlbefinden und der Entwicklung der entsprechenden Personengruppe beitragen.

Die Komplexität dieses Ansatzes eignet sich ideal um die Komplexität einer Organisation im 21. Jahrhundert zu messen, stellte jedoch für die Jungunternehmer aus dem ländlichen Nepal eine zu hohe Herausforderung dar und entmutigte diese eher nachhaltig zu ein. Es war, als würde man einem Volksschüler einen Roman von Franz Kafka geben, weshalb wir beschlossen haben eine vereinfachte Form zu entwickeln und komplexere Anforderungen erst nach und nach einzuführen.

Während der Recherchen für einen Vortrag ein paar Monate später fand ich die gut entwickelte Typologie für Social Businesses von Kim Alter. Damit und mit ihrer Abstufung des Grades der finanziellen Stabilität von Social Businesses gibt sie nicht nur einen viel differenzierten theoretischen Rahmen vor als viele andere Autoren zu diesem Thema sondern hat sie mir auch den perfekten Startpunkt für ein Messinstrument in die Hand gegeben.

Basierend auf all diesen Inputs haben ich entsprechend mit meinen nepalesischen Kollegen Trainingsmaterial sowie ein Bewertungsschema für die Selektion der vielversprechensten Projektideen entwickelt, sowie ein Schema, dass die Rückzahlung der Investition und die damit verbundenen Zinsen von den nachweisbaren positiven Auswirklungen auf die Umwelt abhängig macht.

Heute unterrichte ich Social Business an der FH Kufstein und unterstützte Einzelprojekte bei der Ausarbeitung ihres Wirkungsprofils. Soweit es mir meine Aktivitäten bei meinen eigenen zwei Social Businesses (VHS Bhaktapur und Career Disha Nepal) erlauben betreibe ich auch Forschungsarbeit in dem Bereich.

 

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